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Stadtflucht II

Nach vier Tagen Abwesenheit erzählte ich in São Paulo, dass ich den Ort Pomerode (kann man getrost wie Walsrode aussprechen) besucht habe. Die Reaktion: "Matar saudade, hein?" - der Verdacht, etwa vorhandenes Heimweh durch die Verschwisterung mit von deutschen Einwanderern abstammenden BrasilianerInnen bekämpfen zu wollen. Das hat aber mal geklappt. Hier mit Elfi Guenther, 75.

 

Weiterhin wird vermutet, ich hätte dort große Mengen nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier getrunken und auch damit mein Heimweh bekämpft, bzw.: getötet oder gar abgetötet.

Wahr ist, dass an dem Ort, der heute Pomerode heißt, um die Mitte des 19. Jahrhunderts viele Auswanderer aus Hinterpommern eintrafen, dass sie den Wald rodeten, das Land bestellten und sich unter Beschwernissen (unverschämte Indianer, Schlangen, mörderische Hitze) hier niederließen. Ihre Nachfahren in dritter, vierter und fünfter Generation sprechen heute noch deutsch und pommersches Platt. Portugiesisch haben viele erst als Jugendliche gelernt. Wenn ihnen heute ein deutsches Verb nicht einfällt, oder wenn es den Vorgang, den es bezeichnet, zur Zeit ihrer Vorfahren noch nicht gab, bedienen sie sich einfach des Portugiesischen. Ein Auto wird nicht geparkt, sondern stationiert. Das Telefon wird nicht abgenommen, sondern atendiert.

"Gefühlte 51 Grad warm" sei es am Montag in Pomerode gewesen, stand am nächsten Tag in der Zeitung. Hubert Wachholz, 79, wohnt in einem Fachwerkhaus  pommerschen Stils. Seine Frau hatte am Montag die Federbetten wie üblich zum Lüften über die Fensterbank gehängt.


Abgesehen von Sprache, Schlafgewohnheiten und den gut erhaltenen Häusern der Pommernstämmigen ist von ihrer Kultur aber nicht so viel erhalten geblieben. Um Touristen anzulocken, gibt es in Restaurants namens Wunderwald und Siedlertal Bier mit deutschen Namen und Eisbein, an den Wänden hängen Werbeplakate aus Rothenburg ob der Tauber, die Kellner schwitzen in bayerischen Trachten und tragen Filzhüte. Alle müssen deutsche Schlager oder Bandoneonmusik in hoher Lautstärke ertragen.

5.3.09 22:11

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Meissa / Website (3.4.09 23:29)
Uau,Nunca tinha ouvido falar. Adorei o "atendiert" kkk
Fica em Santa Catarina?
bjs

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