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Ank-unft

4 Kommentare 13.4.09 23:05, kommentieren

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Stadtflucht II

Nach vier Tagen Abwesenheit erzählte ich in São Paulo, dass ich den Ort Pomerode (kann man getrost wie Walsrode aussprechen) besucht habe. Die Reaktion: "Matar saudade, hein?" - der Verdacht, etwa vorhandenes Heimweh durch die Verschwisterung mit von deutschen Einwanderern abstammenden BrasilianerInnen bekämpfen zu wollen. Das hat aber mal geklappt. Hier mit Elfi Guenther, 75.

 

Weiterhin wird vermutet, ich hätte dort große Mengen nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier getrunken und auch damit mein Heimweh bekämpft, bzw.: getötet oder gar abgetötet.

Wahr ist, dass an dem Ort, der heute Pomerode heißt, um die Mitte des 19. Jahrhunderts viele Auswanderer aus Hinterpommern eintrafen, dass sie den Wald rodeten, das Land bestellten und sich unter Beschwernissen (unverschämte Indianer, Schlangen, mörderische Hitze) hier niederließen. Ihre Nachfahren in dritter, vierter und fünfter Generation sprechen heute noch deutsch und pommersches Platt. Portugiesisch haben viele erst als Jugendliche gelernt. Wenn ihnen heute ein deutsches Verb nicht einfällt, oder wenn es den Vorgang, den es bezeichnet, zur Zeit ihrer Vorfahren noch nicht gab, bedienen sie sich einfach des Portugiesischen. Ein Auto wird nicht geparkt, sondern stationiert. Das Telefon wird nicht abgenommen, sondern atendiert.

"Gefühlte 51 Grad warm" sei es am Montag in Pomerode gewesen, stand am nächsten Tag in der Zeitung. Hubert Wachholz, 79, wohnt in einem Fachwerkhaus  pommerschen Stils. Seine Frau hatte am Montag die Federbetten wie üblich zum Lüften über die Fensterbank gehängt.


Abgesehen von Sprache, Schlafgewohnheiten und den gut erhaltenen Häusern der Pommernstämmigen ist von ihrer Kultur aber nicht so viel erhalten geblieben. Um Touristen anzulocken, gibt es in Restaurants namens Wunderwald und Siedlertal Bier mit deutschen Namen und Eisbein, an den Wänden hängen Werbeplakate aus Rothenburg ob der Tauber, die Kellner schwitzen in bayerischen Trachten und tragen Filzhüte. Alle müssen deutsche Schlager oder Bandoneonmusik in hoher Lautstärke ertragen.

2 Kommentare 5.3.09 22:11, kommentieren

Stadtflucht I

An einem Strand in Santa Catarina kann man hervorragend schnorcheln. Ich machte es zum ersten Mal.

Wer kennt diesen Krebs?


1 Kommentar 3.3.09 01:35, kommentieren

Agora vai

Der Karnevals"verein" (schönes Deutsch aber schlechte Übersetzung für das portugiesische Wort "bloco", das eine "Gruppe von Narren" beschreibt, "die sich in den Karneval wirft" - soweit der Versuch, das brasilianische Lexikon zu übersetzen) Agora vai ist der einzige bloco, der über den Minhocão zieht, jenes Ungeheuer, das an anderer Stelle schon erwähnt wurde. An Fastnachtdienstag (brasilianischer Feiertag) ist er für Autos gesperrt. Nur Menschen dürfen hinauf, wie etwa diese Jecken:

 

Diese Leute singen während des gesamten Umzugs stets den selben Samba (aber jedes Jahr einen neuen). Dies ist der Text von 2009: "Wenn du verschnupft, deprimiert oder verschuldet bist, kein Problem! Trink einen Catuaba (heiliges Blocogetränk) oder ein Bohnensüppchen. Geh raus aus diesem Internet, nimm eine Tüte Konfetti und spring auf den Minhocão!!"

Einladend, viele feiern aber lieber am Fenster mit.

 

Von Künstlern gegründet, ist dieser bloco vielleicht so was Ähnliches wie die Aal Säu in Köln. Allerdings wird in São Paulo nicht viel Zeit auf die Herstellung von Kostümen verschwendet (eine schöne Brille oder ein Bademantel reichen manchmal zum Glück). Inszenierung ist Nebensache, Feiern und Samba tanzen das Wichtige.

Eduardo Alves ist einer der Gründer von Agora vai. "Seit 2004" wirbt das Wappen. "Im Gründungsjahr haben wir so viel getrunken, dass wir gar nicht losgehen konnten. Und so haben wir uns 2005 "Agora vai" - "Jetzt aber" genannt."


Eduardo Alves nach dem Umzug im "Vereinsheim" des bloco, eine kleine Kneipe nahe der Nordwestausfahrt des Minhocão. "Das Gute am Minhocão ist: Er schwingt mit, aber er bricht nicht zusammen."

1 Kommentar 25.2.09 00:54, kommentieren

Besetzt

Diese ehemalige Fabrik im Stadtteil Cambuci wird seit einem halben Jahr von etwa 70 Familien bewohnt. Illegal, ohne funktionierende Abwasserentsorgung und mit geklautem Strom. Obwohl das Haus besetzt ist, gibt es eine Art Vermieter, der Geld kassiert. Bei meinem ersten Besuch war er nicht anwesend.

Vanessa (25) kommt mit ihrer Tochter Luana (7) gerade aus dem Supermarkt zurück.


Oben warten Luanas fünf Geschwister in dem 20 qm-Raum mit Herd, Toilette und Hochbett, wo die Familie wohnt. Für das Zimmer inklusive Herd, Kühlschrank und eingebauter Toilette haben Vanessa und ihr Mann dem Vormieter 1000 Reais (etwa 300,- Euro) bezahlt. Der Flur ist Gemeinschaftsfläche.


 

 

14.2.09 01:22, kommentieren

Pão de queijo

In der Bäckerei zwei Straßen weiter kann man sie kaufen. Die Verkäuferin packt zehn kleine, außen knusprige, innen gummige Käsebällchen in eine Tüte, wiegt sie und verschließt die Tüte per Zipfelrotation.

Zehn reichen, wenn der Frust oder das Heimweh aus irgendeinem Grund gerade groß sind. 


  

3 Kommentare 5.2.09 22:52, kommentieren

Mein Zuhause

Ich möchte meine Landlady vorstellen, die wundervolle Juliana, Fotografin, 23 Jahre jung und Mieterin des erwähnten Appartments im achten Stock eines Altbaus aus den 60er Jahren am Rand des Minhocão. Sie serviert ein Banana Split, im Hintergrund ihr Freund Igor.

 

 

2 Kommentare 5.2.09 22:30, kommentieren